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Rothschilds verkaufen ihren Besitz in der Langau

Prinzhorn-Gruppe bezahlte 90 Millionen Euro für den 5.400 Hektar großen Forst

Bis zuletzt wurde um den rothschildschen Besitz in der Langau, Gemeinde Gaming, der zum Kauf stand, gepokert und spekuliert, wer denn den Zuschlag erhalten würde. Befürchtet wurde auch ein Erwerb durch russische Oligarchen, die wenig Bezug zur Region gehabt hätten. Nun steht der Käufer und der Kaufpreis fest. Die Prinzhorn-Gruppe, eine Industriellenfamilie aus der Papierbranche, bot für den 5.400 Hektar großen Besitz 90 Millionen Euro und stach damit den letzten Mitbewerber, die Schultz-Gruppe aus dem Zillertal, aus. Schultz ist einer der größten Seilbahnbetreiber Österreichs.
Laut Cord Prinzhorn, CEO der Industriegruppe und neuer Geschäftsführer der Forstverwaltung Neuhaus, passt der Grundbesitz, auf dem 1,5 Millionen Festmeter Holz auf einem gut erschlossenen Gelände zur Verfügung stehen, sehr gut ins Unternehmenskonzept einer Papiererzeugung. Der Fokus liegt daher eindeutig auf der Forstwirtschaft und nicht auf der Jagd. Die Pachtverträge für alle auf dem weitläufigen Areal befindlichen Jagden werden daher unverändert übernommen. Von dieser Transaktion nicht betroffen ist der sogenannte „Rothwald“, eines von Europas letzten Urwaldgebieten, am zehn Kilometer entfernten Dürrenstein.
Ende einer Ära
Mit dem Rückzug der Familie Rothschild endet nun eine Ära, die vor fast 150 Jahren in unserer Region begonnen hat. 1875 erwarb Baron Albert Rothschild die ehemals zur Kartause Gaming gehörigen Forstgüter sowie das kaiserliche Hofamt Waidhofen samt den Ämtern Hollenstein und Göstling. Damals ließ der Bankier auch das aus dem Mittelalter stammende Waidhofner Schloss zu einem Jagdschloss im neugotischen Stil ausbauen.
Nach dem Tod Albert Rothschilds 1911 kommt es zur Teilung des Besitzes unter seinen beiden Söhnen. Alphonse erhält Gaming und die Langau, Louis Göstling, Hollenstein und Waidhofen samt Schloss, in dem auch die gemeinsame Forstverwaltung verbleibt.
Nach der Enteignung durch die Nazis erhält Baronesse Clair 1948 Gaming und die Langau zurück und 1949 übergibt Baron Louis Rothschild die Domänen Waidhofen und Göstling samt Schloss an die Republik Österreich mit der Auflage, die Pensions- und Rentenverpflichtungen für seine Bediensteten zu übernehmen.
Mit dem Verkauf der Besitzungen in der Langau ist diese enge Verbindung der Rothschilds mit der Region nun endgültig zu Ende.