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Schwarm-(un-)intelligenz

Laut Definition ist die Schwarmintelligenz ein Phänomen, bei dem Gruppen von Individuen durch Zusammenarbeit, unabhängig von der Intelligenz der einzelnen Mitglieder, intelligente Entscheidungen treffen können. Bienen und Ameisen arbeiten nach diesem Prinzip, aber ganz sicher nicht unsere Parlamentarier. Dort ist es offenbar ganz umgekehrt. Dort sind die einzelnen „Individuen“ intelligent und im Schwarm wird Unintelligentes beschlossen.
Was meine ich konkret? So gut wie alle Abgeordneten im Nationalrat sind der Meinung, dass man im freien Spiel der Kräfte besonnen vorgehen müsse und keine Beschlüsse fassen soll, die das Budget, das erstmals einen Überschuss ausweist, gefährdet. Und was macht der Parlamentarier in Schwärmen, sprich in Fraktionen zusammengefasst? Genau das Gegenteil. Die letzte Plenartagung vor der Sommerpause brachte Beschlüsse, die den Staat bis 2023 mit 1,2 Milliarden € (das sind 1.200 Millionen €) mehr belasten.
Wenn jetzt jemand meint, alle diese Beschlüsse wären in sich gesehen sinnvoll, so mag das durchaus stimmen. Eine Valorisierung des Pflegegeldes ist sinnvoll, mehr Geld für das Bundesheer ist sinnvoll und die Erhöhung der Mindestpensionen sicher auch. Aber all das zu beschließen, ohne es in einen Gesamtbezug zu stellen, in einen Finanzplan einzubetten, ist unintelligent und auch grob fahrlässig.
Heruntergebrochen auf die Ebene der Familie hieße das: Papa und Mama haben sich zerstritten, weil Papa mit seinem Freund bei einem Ibiza-Trip böse Dinge getan hat. Die Familienregierung ist somit ins Wanken geraten und instabil. Der Sohn, der seit Längerem einen neuen Laptop für Schullaufbahn in der HTL braucht, schließt mit Papa, der sich ein größeres und familientaugliches Auto wünscht, einen Pakt und die Männerfraktion in der Familie bestellt beides. Die Mutter kauft daraufhin die neue Waschmaschine (die alte wäscht tatsächlich nicht mehr so richtig sauber) und der Tochter, weil sie Mama so gut versteht und zum Kauf ermutigt, wird eine Sprachreise in die USA genehmigt, weil das ja sinnvoll ist, von wegen Berufschancen und so. Sicher sind all diese Inves­titionen für sich gesehen sinnvoll, nur kann sich es die Familie einfach nicht leisten und würde es wohl auch nicht tun, weil sie nämlich intelligent ist.
Mit Sorge müssen wir dem parlamentarischen Showdown im September entgegenblicken. Im freien Spiel der Kräfte werden schon eifrig Allianzen geschmiedet und in der Wahlzuckerlküche Bonbons kreiert, an denen wir uns alle noch gehörig verschlucken könnten.

Fritz Stummer

chef-transp