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Gesellschaft 4.0

Die Zeiten ändern sich, das wussten schon die Römer und sprachen von „Tempora mutantur“. Was wie ein Gemeinplatz klingt (und wohl oft auch ist), trifft aber gerade in Zeiten von Gesellschaft 4.0 in besonderer Weise zu. Seit das Smartphone unser tägliches Leben durchdringt, wir smart leben, smart arbeiten oder smart einkaufen ist vieles anders geworden. Meinen persönlichen Kampf um ein smartphone-freies Mittagessen mit der Familie habe ich zwar immer noch nicht aufgegeben, aber von gewonnen kann auch keine Rede sein. Auf diese 4.0-Entwicklungen muss auch der Gesetzgeber reagieren und erlässt nun Datenschutz-Grundverordnungen und hat seine liebe Not mit Bundestrojanern und einer aufmüpfigen Zivilgesellschaft, die Angst vorm Überwachungsstaat hat.
Aber von dem soll hier gar nicht die Rede sein. Vielmehr gibt mir die Ankündigung des Innenministers zu denken, künftig Gaffer und Unfall-Voyeure zu bestrafen, die aus smartphoner Sensationsgier den Rettungskräften im Weg stehen sowie den coolen „Liveact“ mitfilmen und die Bilder ins Netz stellen. Nicht, dass Sie denken, ich wäre gegen diese geplante Bestrafungsmöglichkeit – ganz im Gegenteil. Traurig ist nur, dass diese gesetzlichen Maßnahmen überhaupt notwendig sind.
Wie ignorant und distanzlos muss man eigentlich sein, bei einem schweren Unfall nur zu gaffen und sein Handy zu zücken, um vielleicht ein wenig Sterben einfangen zu können? Kürzlich ereignete sich ein schrecklicher Suizid an der Rudolfsbahn und diese Verzweiflungstat wurde von Zeugen mit dem Smartphone dokumentiert und die Bilder sogar ins Netz gestellt! Facebook ist ja so geil!
Dass hier Strafen gerechtfertigt sind, steht für mich zweifelsohne fest. Nur werden die auch nur bedingt etwas bewirken und ich kann mir schon vorstellen, wie ein wortgewaltiger Verteidiger vor Gericht das legitime Interesse seines Mandanten auf Information und Meinungsfreiheit einfordert.
Möglicherweise gibt es viel zu viele Regeln, die unser tägliches Leben einschränken und unsere Eigenverantwortung untergraben. Aber wenn sich Zeiten ändern, mit der Gesellschaft 4.0 auch Cyberkriminalität Einzug hält und Mobbing über Social Media einen wahren Boom erlebt, dann muss die Gesellschaft reagieren. Die Straßenverkehrsordnung mit Zebrastreifen, Ampeln und Vorrang ist ja auch erst mit dem Autoverkehr gekommen.  

Fritz Stummer

chef-transp