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Grenzgänger zwischen Jazz, freier Improvisation und Klassik

Kristallsaal Waidhofen:
Der Klangraum im Herbst 2018 steht auch heuer wieder ganz im Zeichen der Improvisation.
Ein Konzertbericht über die feine Tastenkunst eines Weltbürgers von Robert Voglhuber.

Der aus dem ukrainischen Odessa stammende Klaviervirtuose Vadim Neselovski bot am 20. September unter dem Titel „All the things you are“ ein außergewöhnliches Solokonzert, das auch vom ORF mitgeschnitten wurde und im Ö1 Jazzsender „on stage“ am 17. Dezember um 19.30 Uhr ausgestrahlt wird. Einführende Worte sprach Andreas Felber von der Ö1 Jazzredaktion.
Dann kommt Neselovski heraus, setzt sich auf den Klavierhocker und legt los. Sein Spiel setzt sich – analytisch gesprochen – aus drei Komponenten zusammen: Befangenheit im Groove des Jazz, balladeske Kraft im Klassik-Feeling und slawisches Sentiment. Mit seiner Herangehensweise an das Klangraum-Motto „get improvised“ produziert Vadim Neselovski einen Sound am Bösendorfer, der fast schon an der Schwelle zur Abstraktion die Ohren der aufmerksamen Zuhörerschaft weit öffnet. Er spielte Standards wie „Body and Soul“ oder „All the things you are“ und Eigenkompositionen mit viel Improvisationsspielraum, in dem eine durchaus strukturierte Form das musikalische Material derart ordnet, dass die Einholung der Hörernte zwar alle eingefahrenen Hörgewohnheiten sprengt, aber dennoch Genuss bereitet.
Neselovski ist ein „inside-outside“ – Musiker, der sich der Tradition verpflichtet zeigt, aber auch gern den Ausbruch in den Raum freier Klänge wagt. Wenn er so frisch, frech, frivol und frappierend vor sich her improvisiert, hat man den Eindruck, dass er mit dem, was er aus dem Klavier hervorzaubert, einen handfesten Anschlag auf das alte Schubladensystem im Schilde führt. „Wie ist das?“, fragt sich der geneigte Zuhörer, „sind das Töne oder pure Emotionen, die er dem Konzertflügel entringt?“ Das Musikalische transzendiert zum reinen Ausdruck von Selbstbekenntnis und Sinnsuche. Seine raffinierte Improvisationskunst dekonturiert die Grenzen zwischen Klassik und Jazz. Die von den Wächtern des Reinheitsgebots gerne angemahnte Normalität musikalischer Abläufe scheinen Neselosvski kalt zu lassen. Gängige Jazzstandards wie „All the things you are“ oder „Body and Soul“ haben Flair. So oft schon hat sie der Jazzfreund gehört, aber noch nie so anders, so anders im vogelfreien Exkurs.

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Vadim Neselovski – ein Meister der ImprovisationzVg

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