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Die schnellste Pianistin der Welt

Klangraum Waidhofen. Mit einer Matinee zum Muttertag eröffnete am 12. Mai das diesjährige Kulturfestival seine Pforten

Werke von Frederic Chopin, Franz Schubert, Johannes Brahms und Sergej Rachmaninow standen auf dem Programm, serviert von Claire Huangci am Klavier. Schon beim ersten Stück, der Chopin Ballade Nr. 1 spürte der aufmerksame Zuhörer, dass hier keine Interpretin am Flügel sitzt, die ihre privaten Gefühle einfach abschalten und jene des Komponisten sozusagen von oben empfangen kann. Ihr eigenes lebendiges Gefühl, ihr eigener Sinn, ihr eigener Verstand, ihr raffiniertes Gehör entschied, wie gespielt wird – ein Stück entfernt von „steriler“ Treue, scheint es. In schönen, getragenen Melodielinien ließ die Virtuosin mit zwei Nocturnes in H-Dur und c-Moll ein vorbildlich eingefangenes Chopin-Bild übersprudeln, das ihrem hörbar optimistischen Naturell sehr nahe steht – kreativ und ausdrucksstark in ihrer emotionalen Bandbreite. Häufig irrwitzig schnelle Läufe und Akkordfolgen wechselten sich wunderbar mit lyrischen Momenten in den Preludes von Rachmaninow ab, der ihr ebenso gut liegt wie Brahms, dessen Klavier-Schmankerl „Ungarischen Tänze“ die zierliche Klavierdame vom Ausdruck der pannonischen Feurigkeit durchdrungen hat, wie sich`s gehört für einen musikalisch halsbrecherischen Husarenritt. Bei Franz Schuberts „Impromptu“ lotete die Pianistin genussvoll tiefe Quellen des schöpferischen Aktes aus. Immer wieder aufmunternder Applaus. Als Draufgabe kam u. a. eine Komposition von Friedrich Gulda. Claire Huangci genügte es nicht zu spielen, was dort steht. Ihr Atem wiederbelebte jenen der Komponisten. Unter ihren Händen entsteht jedes Werk neu. Ihre Klangdramaturgie und frisch und aufregend klingende Tonsprache versetze das Publikum in Staunen, dass es nur so zu Herzen ging.

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Robert Voglhuber

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